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|  | | 50 Jahre Zeitschrift für Geschichtswissenschaft |
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| | Grußadressen
von Peter Bender, Georg G. Iggers, Konrad H. Jarausch, Harald Kleinschmidt, Jürgen Kocka, Günter Mühlpfordt, Lutz Niethammer, Siegfried Prokop, Peter Steinbach, Günter Vogler, Hermann Weber, Manfred Weißbecker
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 | | Peter Bender, Berlin: |
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| | Die Zeitschrift für Geschichtswissenschaft hat eine große Chance: Sie kann zu einem Forum für eine Thematik werden, die unverändert wichtig bleibt, aber keine Heimat hat oder sie gerade verliert.
Die Nachkriegsgeschichte Deutschlands wird, trotz respektabler Bemühungen einiger Historiker, immer noch geteilt geschrieben. Geteilt nicht nur durch unterschiedliche Erfahrungen und Grundauffassungen in Bundesrepublik und DDR, geteilt auch durch die Schwierigkeit und das fehlende Interesse, die Geschichte beider Staaten zu einer Geschichte des Ganzen, also Deutschlands, zu verbinden. Fast durchweg kommt nur ein Nebeneinander heraus, meist auch ein quantitatives Übergewicht der Bundesrepublik, das die DDR in den Schatten stellt.
Aber die DDR war der Staat der Ostdeutschen, ganz gleich, wie man sie beurteilt, sie war ihr Schicksal, wie die Bundesrepublik das Schicksal der Westdeutschen war, beide Schicksale haben Anspruch auf gleiche Beachtung. Mit einem Wort: Es geht um die Arbeit an einer Geschichtsschreibung, in der sich West- und Ostdeutsche gleichermaßen wiedererkennen, was scharfe Kontroversen natürlich nicht ausschließt. Diese Arbeit kann nicht von Autoren geleistet werden, die nur auf einer Seite gelebt haben und meist die andere ungenügend kennen. Zusammenarbeit von Ost- und Westdeutschland ist nötig.
Die Zeitschrift für Geschichtswissenschaft kann also werden, was ihren Herausgebern vorschwebt: ein Publikationsplatz für ostdeutsche Historiker, ein Ort der Diskussion und Annäherung zwischen Ost und West, ebenso der fairen Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR. Aber auch ein Ort der Prüfung, was die alte Bundesrepublik leistete und versäumte in der Zeit der Teilung. Doch auch das wäre nicht alles, denn sonst verfiele die Zeitschrift in den alten Fehler beider Seiten, Deutschland isoliert zu betrachten. Beide deutsche Staaten werden, auch in ihrem Verhältnis zueinander, erst verständlich, wenn zugleich ihre politische, ideologische, ökonomische und kulturelle Umgebung, die östlichen und westlichen Nachbarn, in den Blick genommen werden.
Es geht nicht um Beschränkung auf deutsche Ost-West-Thematik, wohl aber um Profilierung. In der Reihe der historischen und zeithistorischen Zeitschriften kann es der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft nur nützen, wenn sie sich von anderen unterscheidet und ins Bewußtsein der interessierten Öffentlichkeit dringt, welche Probleme und auch welche Autoren hier zu erwarten sind. Das gilt besonders, weil zwei Umstände eine Profilierung als Ost-West-Forum begünstigen. Diese Zeitschrift ist die einzige historische Zeitschrift, die in Berlin erscheint wo anders soll über das Deutschland des letzten halben Jahrhunderts gedacht, gestritten und geschrieben werden!
Der zweite Umstand: Mit dem Ende des Jahres 2002 wird das Deutschland Archiv einen neuen, heute noch höchst ungewissen Weg gehen. Wir verlieren möglicherweise die wissenschaftliche Spezialzeitschrift für DDR-Forschung und Deutschlandfragen; die ZfG kann sich gewiß nicht als Nachfolger verstehen und sollte es auch nicht, weil sie ihren eigenen Stil bewahren muß. Sie kann jedoch ihre Seiten für historische Themen öffnen, die wenig bedacht oder vergessen werden. Und sie kann Autoren in West und Ost Publikationsmöglichkeiten bieten, die sie sonst nicht finden. Die ehemalige DDR-Zeitschrift würde eine Aufgabe übernehmen, die westdeutsche Politiker und Bürokraten liegen lassen.
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|  | Georg G. Iggers, Buffalo/Göttingen: |
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| | Mein eigentlicher Kontakt zur ZfG begann 1994, als die Zeitschrift in eine neue Phase eintrat. Ich hatte sie vorher auch gelesen, nicht gründlich, aber doch so, daß ich über Tendenzen in der Geschichtsschreibung und -forschung der DDR informiert war. Aber man konnte die ZfG nur begrenzt wissenschaftlich nennen. Obwohl zahlreiche Historikerinnen und Historiker, deren Beiträge erschienen, bemüht waren, sich an wissenschaftliche Standards zu halten, war die Zeitschrift in erster Linie ein propagandistisches Organ der SED. Beiträge durften von der offiziellen Geschichtskonzeption nicht abweichen und mußten sich einer ritualisierten Sprache bedienen. Deshalb wurde die ZfG außerhalb der Grenzen der DDR, selbst in den von der Sowjetunion dominierten osteuropäischen Ländern, nicht ernst genommen. Das bedeutet nicht, daß es in der DDR keine ernsthaften Beiträge zur Geschichtswissenschaft gab. Marxistische Fragestellungen erwiesen sich oft fruchtbar für die Analyse politischer und sozialer Ereignisse und Entwicklungen. Ich denke an die von Fritz Klein geleiteten Untersuchungen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs oder die anregenden Verbindungen von Volkskunde und Wirtschaftsgeschichte, wie sie im Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte erschienen sind, das im Gegensatz zur ZfG ein hohes wissenschaftliches Niveau bewahrte und international anerkannt war.
In den ersten Jahren nach 1989 wurde halbherzig versucht, die Zeitschrift zu reformieren. Obwohl die Herausgeber und Redakteure einsahen, daß die Staatsideologie der DDR diskreditiert war, blieben die Denkstrukturen der alten Herausgeberschaft doch zu tief verwurzelt. Als ich 1992 gefragt wurde, ob ich dem Herausgebergremium beitreten würde, lehnte ich ab. 1994 vollzog sich dann ein fundamentaler Wandel, der es mir ermöglichte, den Neuanfang mitzutragen. Unter der Leitung von Friedrich Veitl und unter dem Dach des Metropol Verlags gelang es, der ZfG eine neue wissenschaftliche Grundlage zu verleihen. Dem neuen Herausgebergremium gehörten Historiker aus der DDR an, darunter Fritz Klein, dessen Wissenschaftlichkeit nie in Frage gestellt wurde, und renommierte Historiker aus Westdeutschland, darunter Wolfgang Benz und Peter Steinbach, die viel zur kritischen Aufklärung der deutschen Vergangenheit beigetragen haben. Die Zeitschrift nahm einen völlig neuen Charakter an. Schon in einem der ersten Hefte 1994 setzte sich Wolfgang Hardtwig, einer der führenden Kenner der modernen Historiographie, mit der Frage der Geschichtswissenschaft im autoritären Staat auseinander. Renommierte Historiker wie auch junge Wissenschaftler aus beiden Teilen Deutschlands und gelegentlich auch aus dem Ausland publizierten in der ZfG. Ein zentrales Anliegen der ZfG war es so lautete die Erklärung der Herausgeber im ersten Heft 1994 , angesichts der radikalen Umbrüche der letzten Jahre und der an Schärfe zunehmenden neuen Herausforderungen des demokratischen Systems in unserem Land die Historiker zu bewegen, intensiver über ihre Wissenschaft nachzudenken. Und das ist auch geschehen. Seit 1994 sind viele Artikel den dunklen Kapiteln der deutschen Vergangenheit gewidmet, nicht nur der NS-, sondern auch der Nachkriegszeit. Themen zu Judenverfolgung und Holocaust, aber auch die Rolle von Juden in der deutschen Kultur werden immer wieder behandelt. Interessante Beiträge haben den Umgang europäischer Kolonialherren mit der nicht-weißen Bevölkerung zum Gegenstand, z. B. den Genozid in Deutsch-Südwest-Afrika 19041908. Ein Heft, an dem sich japanische Historiker beteiligten, handelte von Deutschland und Japan im Zweiten Weltkrieg, darunter auch den vom Militär systematisch begangenen Kriegsverbrechen. Die Zeitschrift hat sich aber nicht auf das 20. Jahrhundert beschränkt, sondern ebenso Themen aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit aus europäischer Perspektive aufgegriffen.
Man könnte fragen, ob die Fortsetzung der ZfG nach 1994 nötig, war, ob man sie nicht einfach hätte einschlafen lassen sollen. Sie hat inzwischen aber ihren eigenen Platz unter den deutschen historischen Zeitschriften gefunden. Sie ist weniger sozialwissenschaftlich orientiert als Geschichte und Gesellschaft und weniger kulturorientiert als Historische Anthropologie, dafür aber intensiver mit der Relevanz von politischen Konstellationen der Vergangenheit für die Gegenwart beschäftigt. Sie ist lebendiger und offener als die ehrwürdige Historische Zeitschrift. Es ist kein Zufall und spricht für die Rolle der ZfG unter den historischen Zeitschriften, daß die Eröffnungsrede des Vorsitzenden des Verbandes der Historikerinnen und Historiker Deutschlands, Johannes Fried, beim Deutschen Historikertag 1998, in der er sich mit der mangelnden Bereitschaft der deutschen Historiker befaßte, sich mit der NS-Vergangenheit ihrer Lehrer auseinanderzusetzen, nicht in der hz erschien, sondern in der ZfG.
Kurz gesagt, die ZfG, wie sie sich nach 1994 entwickelt hat, bedeutet einen Gewinn für die deutsche geschichtswissenschaftliche Landschaft.
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|  | Konrad H. Jarausch, Chapel Hill/Potsdam: |
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| | Aus der transatlantischen Perspektive der Vereinigten Staaten hatte die alte ZfG ein etwas exotisches Flair, das auf eine ganz anders verfaßte Geschichtswissenschaft in einem zweiten deutschen Staat hinwies. In der Praxis wurde das Interesse einer linken Minderheit amerikanischer Intellektueller an einem anderen, besseren Deutschland aber von der ZfG, die als repräsentativ für die DDR galt, eher enttäuscht. Die Aufmachung schien provinziell, die Sprache der Aufsätze gab sich formalistisch, die Argumente waren meist orthodox nur manchmal blitzte das Potential einer unabhängigeren Sozialgeschichte auf. Aus der Ferne hatten die Bemühungen zur Gewinnung eines eigenen Standpunkts durch Kritik vor allem der westdeutschen Forschung etwas Verkrampftes an sich, denn nur wenige Kollegen wie Andreas Dorpalen besaßen genügend ideologisches Vorverständnis, um die in den Seiten der ZfG ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten entschlüsseln zu können. Neben den soliden Publikationen aus Quellen, die westlichen Forschern nur schwer zugänglich waren die Arbeitsgruppe um den Ersten Weltkrieg von Fritz Klein sei hier genannt , wurden vor allem die Rezensionen aufmerksam verfolgt, denn sie stellten einen Indikator der Anerkennung der eigenen Arbeiten dar, auch wenn es einige Anstrengung verlangte, eine weniger scharf formulierte Kritik als indirektes Kompliment zu verstehen.
Der Verlust der Rolle als Zentralorgan einer separaten Geschichtswissenschaft durch die Vereinigung wurde auch in den usa aufmerksam verfolgt. Zunächst wartete man auf Anzeichen der Liberalisierung von Sprache und Themen, die zwar erheblich hinter dem demokratischen Aufbruch der Bevölkerung hinterherhinkte, aber dann auch tatsächlich mit erheblicher Deutlichkeit zu bemerken war. Während der konfusen Übergangsperiode, in der orthodoxe mit kritischen Artikeln in bunter Reihe wechselten, erschien die ZfG plötzlich so spannend wie nie zuvor. Ohne Kenntnis der schwierigen organisatorischen und verlagstechnischen Probleme der Umstrukturierung bezogen die amerikanischen Bibliotheken aber die Zeitschrift weiter und halfen dadurch auch, die Möglichkeit einer editorischen Erneuerung zu sichern. Veränderungen wie die personelle Erweiterung des Herausgebergremiums, die größere politische Unabhängigkeit, die breitere methodische Streuung der Ansätze wurden mit Erleichterung zur Kenntnis genommen, denn sie markierten die innere Verwandlung eines vorher allzu parteiischen Organs. Einerseits konnten diese Innovationen als Anzeichen einer gewissen Normalisierung und Einpassung der ZfG in eine westliche Wissenschaftslandschaft interpretiert werden; andererseits schien die größere Aufmerksamkeit für Themen der DDR-Geschichte und die Beteiligung ostdeutscher Autoren aber auch ohne die vorherige Sonderrolle ein genügend eigenständiges Profil zu bieten, das die Weiterarbeit rechtfertigte.
Nach diesem schwierigen Übergang bleibt der neuen ZfG für die nächsten Jahrzehnte zu wünschen, daß sie dem anfänglich erhofften, aber erst nach 1990/94 auf breiterer Front realisierten Ziel einer kritischen, auch sozial bewußten Geschichtswissenschaft weiterhin verpflichtet bleibt.
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|  | Harald Kleinschmidt, Tsukuba (Japan): |
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| | Die fünfzigste Wiederkehr des Jahres, in dem die ZfG zum ersten Mal erschien, ist ein wichtiges Ereignis. Es bestätigt, daß Herausgeber und Redaktion seit 1994 den richtigen Weg gegangen sind. Man muß das konstatieren: Die ZfG, so wie sie heute ist, gäbe es ohne ihren jetzigen Verleger wohl nicht mehr. In der Phase des Übergangs während der Implosion der DDR versagten und verzagten andere an der Aufgabe, das Flaggschiff der DDR-Geschichtswissenschaft zu steuern. Dem Chef der ZfG, seinem pfiffigen Redaktionsteam und seinem kompetenten Herausgebergremium waren die Schwierigkeiten gerade groß genug. In den frühen 1990er Jahren, als viele Historiker in Westdeutschland zur Hexenjagd auf DDR-Kolleginnen und -Kollegen bliesen, gelang es ihnen, alte Autoren bei der Stange zu halten, neue Autoren zu motivieren, neue Vertriebswege zu finden und nicht zuletzt neue Themen zu besetzen.
Die ZfG ist eine von mehreren universalhistorischen Zeitschriften, politisch in dem Sinn, in dem jede Geschichtswissenschaft zur Entzauberung der Vergangenheit beiträgt. Aber sie ist eine Rarität auf dem internationalen Zeitschriftenmarkt in anderer Hinsicht: eine fachwissenschaftliche Monatsschrift mit professioneller Redaktion und nicht minder professionellem Marketing; eine Börse, die verdienten Kolleginnen und Kollegen aus der DDR, etablierten Forschern aus Ost und West sowie jungen Talenten von überall her die Möglichkeit gibt, sich Resonanz zu verschaffen; ein Diskussionsforum, das das Austragen von Kontroversen in sachlichem Ton fördert; ein Publikationsorgan, das wissenschaftlichen Ballast in Form stupender Anmerkungen nicht nur duldet, sondern verlangt. Die ZfG ist heute das Forum zur Aufarbeitung der Geschichte der DDR, liefert profunde Beiträge zur Geschichte des 20. Jahrhunderts, legt Kenntnisreiches und Neues zu älteren Epochen vor und hat zudem noch einen Rezensionsteil, der brandneue Bücher und keine Ladenhüter vorstellt. Wer so viel Bemerkenswertes bietet, kann auch auf dem Weltmarkt reüssieren. Die mehr als 153 Hochschulbibliotheken in Japan, die die ZfG ganz oder in Teilen besitzen, beweisen es. Die ZfG hat Gewicht, bringt es auf über eintausend Druckseiten im Jahr, ist aber anders als manch anderes geschichtswissenschaftliches Blatt weder behäbig noch angestaubt. Sie ist etabliert und doch beweglich. Die ZfG bekennt sich dazu, ein Geschöpf des Sozialismus zu sein. Und doch ist sie nicht von gestern. Sie straft alle Lügen, die sich der perfiden Hoffnung hingaben, das Erbe der DDR werde mit seinen Trägern auf natürliche Weise zugrunde gehen. Das Gegenteil ist wahr: Die ZfG ist ein lebendiges und gutes Stück deutsche Einheit.
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|  | Jürgen Kocka, Berlin: |
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| | Erinnert sich noch jemand, wie einige westdeutsche, mit der Geschichte des Kommunismus vertraute Historiker auf dem Bochumer Historikertag 1990 eindringlich befürchteten, daß die nun nicht mehr durch Grenze und Mauer abgehaltenen ostdeutschen Historiker, mit leninistischer Kadertechnik aufs beste vertraut, den Verband der Historiker unterwandern und in ihrem Sinne umpolen würden? Beschlüsse wurden gefaßt, die ihren umstandslosen Beitritt verhindern sollten. Wer diese Vorsichtsmaßnahme schon damals für überflüssig, kleinkariert und kontraproduktiv hielt, wurde von der Entwicklung der folgenden Jahre bestätigt. Die ganz große Mehrheit der Historiker, die in der DDR geforscht und gelehrt hatten, verlor nicht nur ihre Stellung, sondern auch die Lust (und wohl auch die Ressourcen), sich in der Profession allgemein und in ihren Veranstaltungen zu engagieren. Mittlerweile hat man aufgehört, auch nur öffentlich darüber nachzudenken, warum beispielsweise auf dem letzten Historikertag in Halle kaum jemand erschien, der oder die schon in der DDR als Historiker gearbeitet hatte.
Viele von ihnen arbeiten aber noch im Fach, sie forschen, schreiben und diskutieren allerdings zumeist unter sich oder doch in Organisationen und Zirkeln, die vor allem von Ostdeutschen getragen und besucht werden. Sie publizieren, jedoch meist an abgelegenen Orten, oft in einer besonderen Art grauer Literatur, besonders zu Aspekten der Geschichte der DDR, aber auch zu anderen Themen. Stefan Berger von der University of Glamorgan untersucht im vorliegenden Heft der ZfG diese wissenschaftliche Produktion, die außerhalb dieses Kreises nur wenig zur Kenntnis genommen wird, obwohl sie offenbar erheblich ist und Aufmerksamkeit verdient.
Es gibt nur wenig Brücken zwischen dieser wissenschaftlichen Subkultur und der Profession im allgemeinen. Die wohl wichtigste dieser Brücken stellt die erfolgreich erneuerte Zeitschrift für Geschichtswissenschaft dar. Für diese Leistung gebührt ihr große Anerkennung. Denn die subkulturelle Abschottung, die auch in diesem Fall nicht freiwillig gewählt worden ist, widerspricht der Idee einer offenen, pluralen Geschichtswissenschaft, in der viel Verschiedenes möglich sein sollte, nicht aber Segmentierung.
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|  | Günter Mühlpfordt, Halle/Saale: |
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| | Als Mitglied des Redaktionskollegiums der frühen ZfG, in den 50er Jahren, und als ihr Abonnent seit 50 Jahren beglückwünsche ich Herausgeber, Redaktion und Verlag zum 50jährigen Bestehen der Zeitschrift. Mit Befriedigung und Stolz können sie auf das nach der Wiedervereinigung Geleistete zurückblicken. Das gilt vor allem für die Wandlung im Charakter der ZfG. Der Umstellungsprozeß ist gelungen: Die neue ZfG kann sich sehen lassen. Wende als Wandel äußerlich manifestiert durch den Umzug von Ost- nach Westberlin, als Einzug in die Bundesrepublik Deutschland. Nach Überwindung von Schwierigkeiten ist ein beachtlicher Stand erreicht. Es freut mich, daß die ZfG nicht zu den Verlierern der Einheit gehört daß sie nicht im Wirbel der Wende unterging, sondern überlebte und, nach einem Heidelberger Zwischenspiel, im Metropol Verlag von Friedrich Veitl ihre bleibende Heimstatt fand. Sie überstand den Umbruch, weil tatkräftige, umsichtige Persönlichkeiten sich ihrer annahmen und weil sie einen festen Abonnentenstamm behielt und gewann. Im nachhinein mutet der nicht nahtlose Übergang von der alten zur neuen ZfG sogar überraschend glatt an. Ihr Semizentenarium bietet Anlaß zu Rückblick und Vorausschau.
Ich sehe drei Aufgabenfelder der ZfG: regional, national, international. In diesen drei Dimensionen findet sie ihre Lebensberechtigung, Herausforderung und Mission. Fünf Ausrichtungen leiten sich daraus als postulierte Wesenszüge ab: Pluralität, Ostprofi, Nationalität, Internationalität und Brückenfunktion.
1. Positionelle und methodologische Grundvoraussetzung ist Pluralität: Die neue ZfG, als Diskussionsforum mit Meinungsfreiheit, ist, in wohltuendem Gegensatz zur alten, offen für unterschiedliche Auffassungen. Diese Vielfalt und Toleranz erfüllen mich mit Genugtuung, denn 1957 wurde ich aus politischen, kurzsichtigen, der Wissenschaft schädlichen Motiven zusammen mit Chefredakteur Fritz Klein, Eckhard Müller-Mertens, Joachim Streisand aus dem Redaktionskollegium verbannt. 2. Auf regionaler Ebene hat die Neue Folge der ZfG sich als Fachzeitschrift der neuen Bundesländer profiliert. Hier liegt ihr aus ihrer eigenen Geschichte resultierender Schwerpunkt. Dies bedeutet, daß die ZfG sich vorab als Stimme und Sachwalter der Geschichtsforscher zwischen Werra und Oder regelmäßig zu Wort meldet und zugleich das Geschichtsbewußtsein der Menschen dieses Raumes bildet. Als Geschichtszeitschrift der östlichen Bundesländer ist sie vorrangig für deren Geschichte zuständig und die Plattform für Historiker zwischen Ostsee und Frankenwald. Eine Sonderaufgabe besteht darin, wissenschaftlich Haltbares aus der Geschichtsforschung der Jahre 194589 zu bewahren und weiterzuentwickeln. So gilt es, Historikern in und aus den alten Bundesländern wie auch im Ausland vor Augen zu führen, was vom Erbe jener 45 Jahre Geschichtsforschung auf dem Boden der DDR nicht der Vergessenheit anheimfallen, sondern, um Wissens- und Erkenntnisverluste zu vermeiden, in die gesamtdeutsche und allgemeine Geschichtswissenschaft eingebracht werden sollte. Dazu gehört, Unveröffentlichtes und entlegen Veröffentlichtes zugänglich zu machen, daran anzuknüpfen und dafür bibliographische Hilfestellung zu leisten. Manchen ehemaligen Bürgern der DDR erleichtert die Tribüne ZfG das Heimfinden nach Deutschland und befreit sie von Gedanken an innere oder äußere Emigration. Damit kann verhütet werden, daß kundige Fachleute der deutschen Geschichtswissenschaft verloren gehen. All das verleiht der neuen ZfG eine spezifische Ostfärbung, ohne daß sie ein bloßes Ostorgan wird. Sie ist mehr als ein ost- oder mitteldeutsches Heimatblatt. Ihrem Namen gemäß tendiert sie zur Universalität.
3. Über den spezifischen Osthorizont hinaus gilt es insbesondere, die gesamtdeutsche Perspektive ins Auge zu fassen, das ganze Deutschland, das Gesamtfeld deutscher Geschichte. Als deutschem historischem Journal geziemt es der ZfG, in die Stellung einer normalen deutschen Geschichtszeitschrift hineinzuwachsen. Es steht ihr zu, zum ebenbürtigem Partner der Geschichtszeitschriften der alten Bundesländer heranzureifen. Dies erfordert, daß sie sich in die gesamtdeutsche Geschichtswissenschaft einbringt, sich fest einreiht, auch im Hinblick auf eine gesamtdeutsche Leserschaft. Einzelne ihrer Beiträger sollten deutlicher bekunden, daß sie in der Bundesrepublik Deutschland angekommen sind. Ein verheißungsvolles Zeichen in umgekehrter Richtung, als Entgegenkommen von West nach Ost, ist es, daß die Zahl der Autoren, Rezensenten, Berichterstatter aus dem Westen stetig zunimmt. Das ist in doppelter Hinsicht vielversprechend: Die ZfG hat ausgewiesene Kenner ihres Faches in West wie Ost als Mitwirkende gewonnen und sie bietet Nachwuchskräften beider Bereiche Platz.
4. Die Zunahme der ausländischen Beiträger aus Ost und West stärkt den internationalen Sektor. Daran ist viel gelegen, im Zeichen der Globalisierung um so mehr. Es entspricht dem Charakter der ZfG als allgemeine Geschichtszeitschrift, erweitert Mitarbeiterkreis und Bezieherstamm. So ist die ZfG auf Tuchfühlung mit der Außenwelt, mit der internationalen Geschichtswissenschaft, primär im europäischen Rahmen, aber auch im globalen. 5. Besondere Bedeutung kommt dabei der Kommunikation mit dem östlichen Europa zu. Darin kann die ZfG beispielgebend vorangehen. Sie vermag durch Orientierung im wörtlichen Sinn, durch den Blick nach Osten zusätzliche Relevanz zu erlangen, so als Vermittler östlicher Geschichtsforschung. Viel Aufmerksamkeit verdienen unsere Nachbarn in Ostmitteleuropa. Ebenso sind das große russische Volk und andere Völker Osteuropas und Asiens in den Blick zu nehmen. So kann die ZfG als Bindeglied jene Rolle wahrnehmen, die ich 1956 meinem Jahrbuch für Geschichte Ost- und Mitteleuropas zudachte: im Sinne der natürlichen Mittlerfunktion des deutschen Volkes zwischen östlichen und westlichen Ländern über Grenzen hinweg Brücken zu schlagen (Band 1, Halle 1956, S. VIII). Der Transfer westlicher wie östlicher Bildung in andere Länder gewinnt durch die eu-Anwartschaften östlicher Staaten erhöhte Tragweite. Wer westliches Wissen nach Osten trägt oder im Westen über östliche Völker und Kulturen informiert, kann mit Zuspruch rechnen. Auf wissenschaftlichem Niveau ist dafür die ZfG ein geeigneter Mittler. Ihr wünsche ich weiteres Aufblühen und eine wachsende Lesergemeinde. Ad multos annos!
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|  | Lutz Niethammer, Jena: |
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| | Die ZfG war für mich wie wohl für die meisten westdeutschen Zeithistoriker in den siebziger Jahren, als die DDR-Führung die Neue Ostpolitik mit verschärfter Abgrenzung beantwortete, nicht ein Periodikum, das man mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt hätte. Denn im Bereich der Zeitgeschichte (die in der DDR offiziell schon seit den fünfziger Jahren mit dem Jahr 1945, in dem sie im Westen damals in der Regel endete, begann) erschien das offizielle Organ der Geschichtswissenschaft in der DDR unter Forschungsgesichtspunkten nichts Interessantes zu enthalten, und man konsultierte sie allenfalls, um die jeweils kurrente Fassung der parteioffiziellen Konstruktionen eines einheitlich revolutionären Prozesses, der angeblich in der SBZ/DDR stattgefunden habe, abzurufen oder den Pegelstand der östlichen Variante deutsch-deutscher Kollegenschelte zu checken. Meistens galt: im Osten nichts Neues.
Aus dieser Rezeptionshaltung hat mich ein Leitartikel im Heft 9 des Jahrgangs 1978 gerissen. Unter dem Titel: Antifa-Ausschüsse Staatsorgane Parteiorganisation. Überlegungen zu Ausmaß, Rolle und Grenzen der antifaschistischen Bewegung am Ende des Zweiten Weltkrieges antwortete Günter Benser, damals der kommende Mann in der Nachkriegsabteilung des Instituts für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED (und am Ende der DDR kurzzeitig dessen letzter Chef), auf unser Buch Arbeiterinitiative 1945, das zwei Jahre zuvor in dem von Johannes Rau gegründeten Peter Hammer Verlag in Wuppertal erschienen war. Dieser Artikel war nicht nur deshalb für mich etwas ganz Besonderes, weil er die einzige wirklich eingehende Auseinandersetzung mit unserer empirischen Entdeckung und Bemühung, die in Ost und West verdrängten Antifa-Ausschüsse 1945 ins Gedächtnis zu holen, blieb, sondern weil er auch ohne die damals im deutsch-deutschen Verkehr so übliche persönliche Polemik auskam, und vor allem, weil er unseren Vorstoß in eine Gedächtnislücke der deutschen Linken als eine Herausforderung aufnahm, ihn zunächst einmal empirisch zu beantworten und die Befunde dann in ein zugegeben: ganz anderes Geschichtsbild zu integrieren. Günter Benser, ein Musterbeispiel der HJ/FDJ-Generation, hat in diesem Artikel dazu einen Aufriß gegeben und dann die Arbeit seiner folgenden Jahre einer empirisch gesättigten Antwort gewidmet, die er dann in seinem Buch Die KPD im Jahre der Befreiung. Vorbereitung und Aufbau der legalen kommunistischen Massenpartei (Jahreswende 1944/1945 bis Herbst 1945) [1985] und vor allem in dessen 2. Kapitel ausbreitete wahrscheinlich einem der besten und gründlichsten Bücher, das die Zeitgeschichte in der DDR hervorgebracht hat. Mit dieser Anerkennung seiner empirischen Leistung aber wirkliche Empirie war in der ideologisierten Zeitgeschichte der DDR schon als solche eine große Leistung will ich unsere Interpretationsunterschiede keineswegs verdecken: Er kritisierte uns als demokratische Spontis, die den organisatorischen Impuls der herrschenden Arbeiterbewegung des Ostens nicht zu würdigen wüßten, und wir hatten keinen Zweifel an unserer Kritik gegenüber der Haltung der KPD und insbesondere ihrer aus Moskau zurückgekehrten Exilführung in bezug auf die demokratischen Ressourcen der Antifas gelassen. Aber gleichviel: ein Jahr, bevor sein Buch erschien, lernte ich Günter Benser auch persönlich kennen, als ich zweifellos als damals institutionell etabliertester Sprecher unserer Autorengruppe der Arbeiterinitiative 19451984 zum ersten Mal zu einer internationalen DDR-Konferenz zum Thema Antifaschismus auf die Insel Rügen eingeladen worden war, wo Günter Benser seinen Auftritt auf dem Stuttgarter Internationalen Historikertag in Sachen Antifaschismus einem Probelauf aussetzen wollte oder sollte. Wir gingen zusammen den Ostseestrand von Sellin hinauf und herunter, diskutierten unser Buch und seinen Artikel und öffneten uns auch zur Person: Von ihm, dem Älteren, ist mir noch seine Ernsthaftigkeit in Kombination mit seiner persönlichen Offenheit, seinem jungenhaften Charme und die Dankbarkeit seiner proletarischen und NS-orientierten Jugend in Sachsen gegenüber der KPD/SED in Erinnerung.
In den folgenden Jahren trafen wir uns immer wieder in deutsch-deutschen Zeithistoriker-Gesprächen, und Günter Benser war darin nicht nur wegen seiner institutionellen Verankerung im iml eine gebongte Nummer, sondern auch ein vertrautes und freundliches Gesicht und eine selbstreflexive, nachdenkliche Figur, die Herausforderungen anzunehmen wußte. Er hat mich die Botschaft gelehrt, daß auch im Gral der DDR-Zeitgeschichte und selbst im offizösesten Organ der Geschichtswissenschaft der DDR Menschen anzutreffen waren, die wie wir im Westen ihre individuellen Kämpfe um die Wahrheit ausfochten.
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|  | Siegfried Prokop, Berlin: |
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Kennengelernt hatte ich die ZfG als Leser in der Zeit meines Studiums Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre. Erst danach begann sie für mich als Autor auch eine Rolle zu spielen. Zunächst sollte ich einen Bericht über eine Konferenz zu Leben und Werk Wilhelm von Humboldts schreiben. Ich hatte damit einige Mühe, denn dieser Auftrag war für einen Anfänger nicht gerade leicht. Henny Maskolat sprang helfend ein, und so kam ich zu meiner ersten Publikation. Vor allem Annotationen und Rezensionen sollten sich zunächst in großer Zahl hinzugesellen. Das machte nicht nur Freude, denn der Bewegungsspielraum für einen Autor wurde von der Redaktion sehr eng gehalten: Texte nicht selten umgeschrieben und Kritiken und Hinweise auf Probleme fielen dem Rotstift zum Opfer. So war es keineswegs die reine Freude, für die dogmatische ZfG zu schreiben.
Eine Überraschung sollte ich im Jahre 1981 erleben. Ein Jahr nach Joachim Streisands Tod waren dessen Vorlesungen zur Kulturgeschichte der DDR als
Buch(1) erschienen. Die Publikation stieß in den oberen Führungs-Etagen sofort auf massive Ablehnung, weil Streisand auf die SED-Kulturpolitik nicht eingegangen war. Kurt Hager, der im Politbüro für die Kultur zuständig war, wurde an keiner Stelle zitiert, so daß sein Name im Personenregister nicht vorkam. Hanna Wolf, die mächtige Rektorin der Parteihochschule Karl Marx, geriet in Rage. Sie bestand darauf, Streisands Buch einzustampfen. In dieser Zeit meldete sich die ZfG bei mir. Ein Redakteur wies auf die Brisanz des Anliegens hin und fragte, ob ich nicht durch eine Besprechung des Buches in der ZfG etwas für meinen verstorbenen Lehrer tun wolle. Nachdem die ZfG auf diese Weise Farbe bekannt hatte, veränderte ich meine bisherige Bewertung der Zeitschrift. Im Spannungsfeld von Dogmatikern und Vernünftigen hatte sie sich eindeutig positioniert.
1982 veröffentlichte Jürgen Kuczynski seine Bemerkungen zur Kritik.(2) Das Kapitel VI hatte den Rezensionsteil der ZfG zum Gegenstand. Kuczynski kritisierte, daß in den Buchbesprechungen der ZfG kaum kritisiert und überhaupt jeglicher Meinungsstreit vermieden werde. Dank dieser Intervention erweiterte sich der Bewegungsspielraum für die Autoren. Plötzlich waren Debatten auch zur DDR-Geschichte in der ZfG möglich. Allerdings blieben diese nicht frei von herben Mißklängen. Ich hatte 1984 der ZfG einen Artikel über die Konflikte und Wirrungen der DDR-Geschichte im Zeitraum von 1956 bis 1958 angeboten. Er wurde sofort veröffentlicht. Aber ich hatte mich zu früh gefreut; denn ein Diskussionsbeitrag von einem Sektorleiter des Instituts für Marxismus-Leninismus (IML), der überwiegend politisch ausgerichtet war, zielte eigentlich nicht auf Meinungsstreit. Der Verfasser warf mir pauschal vor, daß ich die DDR-Geschichte falsch dargestellt hätte. Durch Vermittlung der ZfG erfolgte eine Abschwächung der ursprünglich äußerst scharfen Fassung. Der im Heft 11 im folgenden Jahr dann veröffentlichte Diskussionsbeitrag wandte immer noch ein, daß ich nur Stagnationen und Rückschritte der DDR dargestellt hätte. Es komme jedoch auf die Darstellung der Erfolge und Fortschritte an! Die ZfG räumte mir zwar das Recht ein zu antworten. Noch bevor die Antwort erschien, hatten mir schon zwei zentrale Archive die Benutzungsgenehmigung entzogen. Einige Kollegen gingen spürbar auf Abstand zu mir.
In dieser Situation wußte ich nicht, ob ich mich über die Anerkennung freuen sollte, die mir in der Bundesrepublik zuteil wurde: Zugleich ist das Bemühen unverkennbar, durch verstärkten Rückgriff auf authentisches zeithistorisches Quellenmaterial die DDR-Zeitgeschichtsschreibung selbst qualitativ zu verbessern. Augenscheinlich wird versucht, hier bis an die Grenzen des politisch Möglichen und zeitgeschichtlich Darstellbaren zu gehen.(3) Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten. Sicher nicht nur wegen des von der ZfG verursachten Wellenschlags flatterten bald Einladungen aus verschiedenen Ländern ins Haus.
Auf den befreienden Herbstaufbruch von 1989 folgte jene bleierne Zeit des Beitritts, dem Helmut Kohl seinen konservativen Stempel aufdrückte. Das Grüßen von Geßler-Hüten (Günter Gaus) mauserte sich zur Norm. Für längere Zeit stellte ich die Kontakte zur ZfG ein und kündigte das Abonnement. Eine Dutschke-Biographie, die ich besprechen sollte, steht noch heute ungelesen in meinem Bücherregal.
Etwa ein Jahr später teilte eine Tageszeitung mit, daß die ZfG nunmehr vom Metropol Verlag herausgegeben werde. Die neue Redaktion habe ihren Sitz an der Technischen Universität Berlin. Ostdeutsche Historiker würden eingeladen, wieder an der ZfG mitzuwirken. Ich traute dem Frieden zunächst noch nicht. Erst nachdem ich einen Brief der ZfG erhalten hatte, änderte ich meine Meinung. So wurde ich wieder Autor und später erneut Abonnent.
Dieses Zusammenführen von Historikern aus West und Ost in der ZfG halte ich für eine äußerst anerkennenswerte Leistung. Kuczynskis Aufforderung zum Meinungsstreit aus dem Jahre 1982 aber halte ich noch immer für aktuell. Sollten sich Herausgeber und Redaktion zu einer Feier des Jubiläums aufschwingen, würde ich dazu Sekt der Marke Rotkäppchen beisteuern.
(1) Joachim Streisand, Kultur in der DDR. Studien zu ihren historischen Grundlagen und ihren Entwicklungsetappen, Berlin 1981.
(2) Jürgen Kuczynski, Ich bin der Meinung. Bemerkungen zur Kritik, Halle/Leipzig 1982.
(3) Günther Heydemann, Geschichtswissenschaft und Geschichtsverständnis in der DDR
seit 1945, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament,
28. März 1987,S. 23/24.
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|  | Peter Steinbach, Karlsruhe/Berlin: |
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| | Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus gehört zu den regelmäßig behandelten zeithistorischen Schwerpunkten der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft und zugleich zu den zeithistorischen Bereichen, die in der öffentlichen Diskussion stets ein besonderes Interesse gefunden haben. In diesem Themenfeld der Zeitgeschichte spiegeln sich nämlich nicht nur die vergangenen Ereignisse an sich, sondern die Vergangenheit dient nicht selten dazu, gegenwärtige Probleme politischen Zusammenlebens prinzipiell zu deuten. Damit wird ein zeitgeschichtlicher Forschungsbereich in den Blick gerückt, der eine starke politische Orientierungskraft besitzt und deshalb in besonderer Weise die Zusammenhänge zwischen aktueller Deutung und wissenschaftlicher Erforschung und Interpretation der Geschichte spiegelt. Dieser Zusammenhang macht wahrscheinlich einen guten Teil der politischen Bedeutung aus, die in vielen Gesellschaften dem Widerstand in allen seinen Formen und begrifflichen Differenzierungen zugeschrieben wird.
Widerstand als Problem ist alt und findet sich als Ansatzpunkt politischen Denkens zu fast allen Zeiten. Besonders bekannt sind typische, die Frage der Selbstbehauptung, der politischen Moral zuspitzende Gestalten, etwa Antigone, die nicht selten in moderne Herausforderungen, die aus dem Spannungsverhältnis zwischen Individuum, Staat und Gesellschaft, zwischen Menschenrechten und Unterdrückung, zwischen (Natur)Recht und Gesetz resultieren, übertragen werden. Auch vertragsrechtliche Begrenzungen staatlicher Allmacht werden immer wieder unter den jeweiligen Prämissen der Gegenwart reflektiert. Unter den Bedingungen der modernen Diktaturen stellen sich weitere grundsätzliche Fragen der Widerstandsdeutung, zunächst vor allem im Hinblick auf die Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur, seit den fünfziger Jahren dann zunehmend in diktaturvergleichender Perspektive. Diese Entwicklung hat sich nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Diktaturen, aber auch im Hinblick auf die Diktaturen der westlichen Hemisphäre noch verstärkt. Damit könnte in der Widerstandsgeschichte eine neue Phase assoziativer Komparatistik beginnen, welche die Deutung von vergleichsweise als gegenwärtig empfundenen Erscheinungen in historischen Kontexten erleichtert.
Ein Vergleich der unterschiedlichen Rezeptionen des Widerstands in den drei Nachfolgestaaten des NS-Staates könnte die Frage erörtern, wie am Beispiel des Widerstands gegen den NS-Staat durch zeithistorische Erfahrungen Auseinandersetzungen mit der Vergangenheit erleichtert und durch die Interpretation der Vergangenheit die Bedingungen zeithistorischer Forschungen verändert wurden, aber auch, wie sich durch die präsentistisch beeinflußten Deutungen der Vergangenheit der Zugang zum historischen Forschungsbereich gewandelt hat.
Aktuelle Konstellationen historischer Deutung werden vor allem im Gedenken einer besonderen Form bewußt gestalteter und oftmals geradezu inszenierter Erinnerung deutlich. In der inszenierten Erinnerung an den Widerstand geht es deshalb immer auch um die Gegenwart. Historiker beteiligen sich nicht selten an den Gedenkveranstaltungen und geraten in eine zwiespältige Lage. Denn zum einen müssen sie die Vergangenheit darzustellen versuchen, wie sie eigentlich war, andererseits haben sie auch das Sinnstiftungsbedürfnis jener Öffentlichkeit zu reflektieren, an die sich wenden, die nicht selten historische Forschung finanziert und die Identifikationsangebote in der Reflexion über das Woher sucht, um das Wohin zu charakterisieren. Das Beispiel der modernen Widerstandsgeschichte zeigt überdies, daß sich die Erforschung der Auflehnung von Individuen und Gruppen im Zeitalter der modernen Diktaturen gerade deshalb auf vermintem Gelände ereignet. Denn nicht selten werden viel mehr Traditionen geschaffen als Ereignisse kontextabhängig gedeutet und im Sinne von Marc Bloch verstanden.
Gerade diese Vermengung von Interessen und Funktionen macht eine kritische Erforschung der Rezeptionsbedingungen von Traditionen nötig. Denn unausweichlich bleibt, daß sich die Gegenwart oftmals widerstandsgeschichtlich erst durch die Vergangenheit erschließt, wie auch widerstandsgeschichtliche Probleme immer wieder durch Gegenwartserfahrungen, -deutungen und -absichten bedingt und fast als existentielle Erfahrung individueller Herausforderung und Bewährung gedeutet werden können. Deshalb ist zu fragen, in welchem Maße historische Deutungen gegenwartsabhängig sind und wie geschichtliche Phänomene in das Gegenwartsbewußtsein vermittelt werden. Der Historiker hat also neben der Ereigniskonstruktion auch die Aufgabe der Überlieferungskritik. Beide Ziele bestimmen den aufklärerischen Gehalt der modernen Geschichtswissenschaft.
Weil der Zusammenhang zwischen politischer Deutung und zeithistorischer Forschung im Bereich der Widerstandsgeschichte unbestreitbar ist, ist es um so überraschender, daß die Folgen dieses Zusammenhangs für die widerstandsgeschichtliche Forschung und das politische Bewußtsein, aber auch für die wissenschaftlich-zeithistorische Analyse bisher noch nicht systematisch untersucht worden sind, obwohl es in der zeithistorischen Literatur sehr viele Hinweise auf die Zeitbedingtheit eines jeden Urteils über den Widerstand gibt. Und weil sich umgekehrt viele Deutungen der Vergangenheit erst durch die gegenwartsbezogenen Reflexionen erschließen, bleibt es Aufgabe des Historikers, weiterhin zu fragen, ob nicht gerade durch gegenwartsgeprägte Zugriffe der Zugang zur vergangenen Wirklichkeit entscheidend verändert werden kann.
Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt:
die Auswirkungen historischer Reflexionen über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus durch die Nachlebenden auf die Wahrnehmung des zeithistorischen Problems Widerstand,
die Konsequenzen dieser Wahrnehmung des Widerstand in Deutschland zwischen 1933 und 1945 für die öffentliche Diskussion auch im Vergleich von Diktaturen des 20. Jahrhunderts und des gegen diese gerichteten Widerstands und schließlich
die Folgen dieser öffentlichen Diskussionen und Wahrnehmungen für die geschichtswissenschaftliche Forschung selbst.
In der ZfG sind wichtige Anstöße einer kritischen Auseinandersetzung mit der modernen Widerstandsgeschichte erfolgt. Dabei wurde besonderes Gewicht auf den interdisziplinären Zusammenhang zwischen literarischen, publizistischen und pädagogischen Aktivitäten und der wissenschaftlichen Forschung gelegt. Nur so läßt sich die doppelte Funktion des Historikers Kritiker der Überlieferung und Rekonstrukteur vergangener Ereignisse zu sein sinnvoll bewältigen. Zugleich wird ein methodologisch wichtiges Thema exemplarisch beleuchtet. Denn im Bereich der Widerstandsgeschichte wenden sich die Fachwissenschaftler einem öffentlich beachteten und öffentlich in der Regel auch kontrovers erörterten Bereich zu. Die öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen beeinflussen ihre Forschung, möglicherweise in einem viel stärkeren Maße, als das bisher für andere Bereiche der geschichtspolitischer Gestaltung der Erinnerung angenommen worden ist. Wenn nicht Rezeptionsbedingungen untersucht werden, hat der Historiker kaum eine Chance, seine eigene Arbeit in ihren Voraussetzungen zu reflektieren.
Die tatsächliche Wirksamkeit des Widerstands gegen den Nationalsozialismus im Zeitraum 1933 bis 1945 läßt sich nur schwer bestimmen. Teilweise wurde dabei auf die Zahl der Verfolgten und Inhaftierten verwiesen, teilweise auf die Polizeikräfte, die durch den Widerstand in den Verfolgungsbehörden gebunden waren, wenn man reale Bedeutung der Regimegegnerschaft ermessen wollte. Unbestritten ist aber allgemein, daß der Widerstand im Innern die Entwicklung der politischen Verhältnisse in Deutschland und Europa nur wenig beeinflussen konnte. Um so wichtiger ist es, das Nachdenken über den Widerstand als eigenständiges Ereignis in seinen Voraussetzungen, Verläufen und Konsequenzen zu untersuchen.
Bisher ist die Geschichte der reflexiven Annäherung an den Widerstand in der Zeit vor 1945 und vor allem nach dem Ende des NS-Regimes nicht umfassend untersucht und auch in ihren Auswirkungen auf die Erforschung und wissenschaftlich beeinflußte Deutung noch nicht hinreichend oder gar systematisch analysiert worden. Dies ist um so wichtiger, als sich gerade am Beispiel des Widerstands in exemplarischer Weise die Abhängigkeit der Urteilsbildung von öffentlichen Rahmenbedingungen aufzeigen läßt. Diese Abhängigkeit bestimmt bereits die erste Annäherung während des Krieges, als im Exil die Gegnerschaft in Deutschland hervorgehoben wird, um der These von der Nazifizierung der deutschen Gesellschaft entgegenzutreten. Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht beeinflussen zunächst die Alliierten das Bild des Widerstands, das bereits früh durch die Systemspannungen und Gegensätze des beginnenden Kalten Krieges bestimmt wird. Die Teilung Deutschlands bleibt ein entscheidender Faktor für die Deutung des Widerstands.
Die Diskussionen über den NS-Staat, dessen Charakter als ein verbrecherisches System nicht zuletzt im Zusammenhang mit der strafrechtlichen Ahndung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen immer deutlicher wurde, prägten auch die Auseinandersetzungen mit dem Widerstand in der Öffentlichkeit der fünfziger Jahre. Die öffentlichen Kontroversen um die Kriegsgefangenschaft (in den frühen 50er Jahren auch die Strafprozesse gegen deutsche Kriegsgefangene), um die Wiedergutmachung und den Versuch, persönliche Kriegsfolgeschäden auszugleichen, schließlich um die Geschichte der Weimarer Republik und ihr Scheitern haben auch das Bild des Widerstands in der politischen Bildung, nicht zuletzt aber auch in der Forschung, ganz entscheidend verändert. Diese Veränderungen beeinflussen die wissenschaftliche Forschung erheblich.
Gemeinhin gilt die Auseinandersetzung mit dem Widerstand als ein tragendes Element der öffentlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte. Die Beschäftigung mit dem Widerstand wird deshalb nicht selten als eine Verpflichtung zur bewußten Traditionsbildung von exemplarischer Bedeutung gesehen. Dies gilt nur für wenige andere Bereiche der Zeitgeschichte. Deshalb ist es gut zu wissen, daß die moderne, zuweilen anstößige, immer aber herausfordernde Widerstandsgeschichte nach 1989 in der ZfG ein Forum gefunden hat. Aber auch der Zeitraum bis zum Umbruch dieses Jahres ist nicht zu unterschätzen, denn in den fast vierzig Jahren seit ihrer Gründung wurde die ZfG zu einer der wichtigsten Quellen für die Erforschung der Widerstandsrezeption einschließlich aller geschichtspolitischen Verengungen in der DDR.
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|  | Günter Vogler, Erkner: |
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| | Die ZfG ist mir seit dem ersten Jahrgang vertraut. Die ersten Hefte las ich als Student, und ich kaufte sie auch. Da sie preiswert waren, konnte man sie sich selbst mit einem bescheidenen Stipendium leisten. Später habe ich als Autor einige Beiträge beigesteuert und auch eine größere Zahl an Büchern rezensiert. Heute freue ich mich, daß die wechselnden Redaktionen es geschafft haben, die ZfG mittlerweile 50 Jahre am Leben zu erhalten.
Was hielt mein Interesse über Jahrzehnte wach? Die Antwort ist einfach: Die ZfG bot ein breites Spektrum an Informationen von der alten Geschichte bis zur Zeitgeschichte. Wer verfolgen wollte, was in der DDR-Geschichtswissenschaft vor sich ging, sich nicht nur für das eigene Arbeitsgebiet interessierte, sondern einen größeren Überblick gewinnen wollte, der konnte und mußte die acht oder zwölf Hefte im Jahr zur Hand nehmen, denn es gab auf dem Buchmarkt der DDR kein Pendant. Natürlich verstand sich die ZfG als Publikationsorgan der marxistischen Geschichtswissenschaft. Das damit festgelegte Profil war legitim, aber die Folge war auch, daß nicht wenige Beiträge unerträglich ideologielastig waren und wissenschaftlichen Wert vermissen ließen. Daneben standen indes anregende Beiträge zu unterschiedlichen Epochen, die man zur Kenntnis nehmen mußte, um in Debatten mitreden zu können.
Was bot die Zusammenarbeit mit der ZfG einem Autor? Sie war ein für die DDR-Geschichtswissenschaft repräsentatives Publikationsorgan, das außerhalb der Grenzen zur Kenntnis genommen wurde. Ich habe in manchen Gesprächen erfahren, daß Kollegen darauf achteten, was in der ZfG veröffentlicht wurde. Wer also im Ausland wahrgenommen werden wollte, war gut beraten, sich der ZfG anzuvertrauen. Die Zeitschrift ermöglichte aber auch, Bücher aus dem Westen zu rezensieren, die ohne Devisen nicht zu beschaffen waren. Die Redaktion war immer aufgeschlossen, wenn ihr Titel zur Rezension vorgeschlagen wurden. Mancher westliche Verlag war allerdings nicht interessiert, Rezensionsexemplare zur Verfügung zu stellen.
Es ist erfreulich, daß die ZfG die Wende überlebt hat. Ich weiß, daß das kein einfacher Prozeß war. Unter den veränderten Bedingungen fiel ihr eine andere Funktion zu. Ich gestehe, daß ich seitdem in die die Farbe wechselnden Hefte noch hineinschaue, aber die Beiträge nicht mehr in der Intensität wie früher zur Kenntnis nehme. Das hat damit zu tun, daß die Zeit fehlt, alles wahrzunehmen, was der Literaturmarkt bietet. Es hat aber auch mit dem Themenspektrum der ZfG zu tun. Natürlich ist die Behandlung aktueller Themen und die Ausweitung des Autorenkreises zu begrüßen. Ich denke aber auch nach, welches Profil die ZfG im Spektrum deutschsprachiger Zeitschriften aufweist. Meines Erachtens kommen viele Beiträge nicht nur die thematischen Hefte nur dem Interesse von Spezialisten entgegen. Wäre es nicht angemessen, einen breiteren Kreis von Interessenten anzusprechen?
Die Redaktion wird sich vielleicht aus Anlaß des halben Jahrhunderts vor allem über die vergangenen zwölf Jahre Rechenschaft geben. Eine dabei zu bedenkende Frage könnte sein, welches Profil die ZfG künftig ihren Lesern präsentieren sollte. Von einer solchen Diskussion ist ein Ergebnis zu erhoffen, das die Attraktivität der ZfG erhöht und für die Zukunft ein gesichertes Erscheinen gewährleistet.
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|  | Hermann Weber, Mannheim: |
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| | Die ZfG war in der DDR jahrzehntelang ein wichtiges Organ der Geschichtsschreibung, und wie diese diente sie der Legitimierung des Staates, beschönigte die SED-Diktatur. Um so erfreulicher war es, daß sich die ZfG nach der friedlichen Revolution in der DDR schrittweise zu einer unabhängigen Zeitschrift wandelte, nun der für die Wissenschaft notwendige Pluralismus und die kritische Sicht Einzug hielten. Historiker aus Ost und West fanden in der ZfG eine Plattform für Forschungsergebnisse und -diskussionen. Gerne erinnere ich mich daran, daß dort bereits im März 1993 mein Versuch einer vorläufigen Bilanz, eine Beschreibung der Geschichte der DDR, publiziert wurde. Schon damals gab es mit der Redaktion keinerlei Schwierigkeiten, obwohl der Artikel entschiedene Kritik an der DDR übte, was vielen Historikern der ehemaligen DDR zu einseitig war. In den folgenden Jahren hat die ZfG an Statur gewonnen, hat sich zu einer Zeitschrift entwickelt, die zu historischen Themen sachlich und kompetent berichtet. Schließlich ist die ZfG unter der Leitung der Herausgeber und Redaktion zu einem auch international anerkannten Periodikum für die Zunft geworden. Als Schönheitsfehler mag man lediglich den hohen Preis sehen, doch das liegt bei frei finanzierten Zeitschriften am Diktat des Marktes. Es bleibt zu hoffen, daß die ZfG weiterhin viele Felder der Geschichte behandelt. Insbesondere sollte sie sich aber der DDR-Geschichte zuwenden. Als früheres Organ der DDR-Historiographie müßte die klare Beurteilung der Diktatur Verpflichtung sein. Sie sollte mithelfen bei der wissenschaftlichen Fundierung der Aufarbeitung, d.h. der Auseinandersetzung mit der Geschichte der SED-Diktatur. Das ist eine der Voraussetzungen der immer wieder geforderten inneren Einheit, des Zusammenwachsens von Ost und West in Deutschland. Gerade für diese Aufgabe wünsche ich viel Erfolg.
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|  | Manfred Weißbecker, Jena: |
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| | In jenem Jahr, da die ersten Hefte der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft erschienen, begann ich an der Jenaer Friedrich-Schiller-Universität Geschichte zu studieren. Seither begleitete mich dieses Journal Monat für Monat, sowohl während des Studiums als auch selbstredend in meiner langjährigen Tätigkeit an der Alma mater Jenensis. Zu lesen war die ZfG mit Gewinn, was zu sagen ich nicht zögere. Sie half mir zu erschließen, was Historiker in der und für die Gesellschaft tun oder auch lassen sollten, sie half zu begreifen, was die Wissenschaft von der Geschichte zu leisten vermag, wozu sie vernünftigerweise dienen kann und wofür sie nicht dienstbar sein sollte. Im Rückblick will es mir scheinen, als habe sie kein unwesentliches Scherflein dazu beigetragen, Verständnis für das zweifellos zu allen Zeiten komplizierte und immer wieder zu analysierende Verhältnis von Politik und Historie zu wecken, zu entfalten oder zu enthüllen. Manche in der Zeitschrift geführten Debatten bleiben in gleicher Weise unvergessen wie ihre unübersehbaren Unzulänglichkeiten und strukturell bedingten Mängel. Das Zentralorgan der DDR-Historiker konnte nicht besser sein als die DDR-Geschichtswissenschaft, dies dürfte als Binsenweisheit gelten. Es war dennoch keineswegs schlechter als diese, auch wenn bis 1989 wohl allzu häufig in ihr spezifische Interessen von Politik über die der Wissenschaft gestellt waren.
Als bildend, anregend und beachtenswert will ich dennoch die Geschichte der ZfG in den Zeiten der DDR und deutsch-deutscher Zweistaatlichkeit bewertet wissen. Im Vergleich zu geschichtswissenschaftlichen Zeitschriften in der brd schnitt ihr Gehalt an Informationen über Ergebnisse anderer historischer Forschungen wesentlich besser ab als im umgekehrten Falle. Nebenbei: Das politisch motivierte Desinteresse an Ergebnissen marxistischer und anderer linker Autoren im letzten Jahrzehnt beherrscht nach wie vor die Publikationen vieler Autoren, auch wenn diese ansonsten hohe Ansprüche an die Geschichtswissenschaft zu formulieren verstehen. Die Belege häufen sich, trotz anerkennenswerter Bemühungen anderer Forscher und Rezensenten, die auch in dieser Zeitschrift zu Wort kommen.
Solche Feststellung hebt keineswegs die Notwendigkeit auf, kritisch Rückschau zu halten auf die DDR-Geschichtswissenschaft. Vieles ist bereits geleistet worden, manches überzeugend und ehrlich, anderes oberflächlich und der Wahrheit unangemessen. Einiges scheint der Aufmerksamkeit entgangen zu sein oder ist zu Unrecht abgetan worden. Neben den Reminiszenzen an die ZfG und die DDR-Geschichtswissenschaft fehlt immer noch eine eingehende Analyse dessen, was an weiteren Zeitschriften und Schriftenreihen an Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen der DDR geschaffen werden konnte. Es wurde vormals gern zur Kenntnis genommen, und es offenbart zum Teil wesentlich stärker als ZfG und bzg, was in den Reihen der DDR-Historiker gedacht und gestritten, überlegt und angeboten worden ist. Die inhaltliche und Papierkontingenten geschuldete Beschränkung der zentralen Zeitschriften führte fast überall zu Ersatz und Zusätzlichem. In Thüringen lebend fallen mir sofort die Jenaer Beiträge zur Parteiengeschichte und die Beiträge zur Konservatismusforschung ein, aber darüber hinaus denke ich auch an die Hallenser Studien zur Geschichte der Sozialdemokratie, an die Leipziger Hefte zur Revolutionsgeschichte, die Rostocker Beiträge zur Migrationsthematik, an das Humboldt-Journal der Friedensforschung und nicht zuletzt an das Bulletin des Arbeitskreises Zweiter Weltkrieg, das an der Akademie der Wissenschaften erschien. Vieles wäre noch zu erwähnen, doch kann es an dieser Stellen nicht um eine vollständige Übersicht gehen. Pauschale Be- und Verurteilung verdient ganz sicher keine dieser Publikationen.
Wenn Wünsche für die Gestaltung der ZfG in weiteren Jahre und Jahrzehnten erbeten sind, dann will ich ausdrücklich für eine Beibehaltung der gegenwärtig spürbaren Linie von Vielseitigkeit und Offenheit plädieren, aus der heraus gewiß auch neue Erkenntnisse zur allerorten vernehmbaren, mitunter bedrückende Formen annehmenden Geschichtspolitik wachsen könnten. Gut wären Dokumentationen sowie mehr und umfangreichere Informationen über geschichtswissenschaftliche Tagungen und Projekte. Denn das Informationsbedürfnis ist groß.
Ansonsten: Gratulation zum 50. und Hoffnung auf weitere Jahrzehnte ZfG!
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